Neuer Kassenwart? So übernimmst du die Vereinsfinanzen in 7 Schritten
Du hast gerade das Amt des Kassenwarts übernommen und weißt nicht, wo du anfangen sollst. Diese sieben Schritte bringen dich in vier Wochen auf sicheren Boden – bevor der erste Beitragslauf kommt.
Geschrieben für: Neu gewählte Kassenwarte
Herzlichen Glückwunsch. Oder: Mein Beileid – je nachdem, was dein Vorgänger dir übergeben hat.
Die meisten neuen Kassenwarte erben eines von drei Dingen: eine Excel-Datei, einen alten Windows-PC mit einer Software, deren Passwort niemand kennt, oder einen Karton.
Und dann sitzt man da, haftet ab sofort persönlich – und weiß nicht, wo anfangen.
Dieser Text ist die Reihenfolge, die funktioniert.
Schritt 1: Verschaff dir Zugriff. Auf alles.
Bevor irgendetwas anderes passiert:
- Bankvollmacht. Ohne sie bist du handlungsunfähig. Die Bank braucht dafür in der Regel das Protokoll der Mitgliederversammlung und einen aktuellen Vereinsregisterauszug.
- Online-Banking-Zugang auf deinen Namen – nicht der alte Zugang deines Vorgängers.
- Zugangsdaten zur bisherigen Software, zum E-Mail-Postfach, zum Steuerberater-Portal.
- Der Freistellungsbescheid vom Finanzamt. Frag danach, bis du ihn in der Hand hast.
Wichtig: Nutze niemals weiter den Zugang deines Vorgängers. Wenn etwas schiefgeht, kann niemand mehr feststellen, wer was getan hat – und du stehst als Letzter am Konto.
Schritt 2: Meld die Vorstandsänderung an. Sofort.
§ 67 BGB verlangt, dass jede Vorstandsänderung unverzüglich beim Vereinsregister angemeldet wird. Die Unterschriften müssen notariell beglaubigt sein.
Das kostet ungefähr 30 € beim Notar plus rund 67 € Gerichtsgebühr – und es hat eine Kettenreaktion, die viele übersehen:
Nicht gemeldeter Vorstand → Eintrag im Transparenzregister stimmt nicht mehr → eigene Meldepflicht → Bußgeld.
Normalerweise wird der Verein automatisch aus dem Vereinsregister ins Transparenzregister übernommen. Aber nicht immer. Eine eigene Meldung ist nötig, wenn:
- ein vertretungsberechtigtes Vorstandsmitglied im Ausland wohnt, oder
- eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit hat (auch bei doppelter Staatsbürgerschaft), oder
- die Vorstandsänderung nicht zeitnah ans Vereinsregister gemeldet wurde.
Prüf das. Es ist eine Frage von fünf Minuten und erspart dir einen Bußgeldbescheid.
Schritt 3: Mach einen Kassensturz
Nicht „irgendwann”, sondern in den ersten zwei Wochen. Du übernimmst einen Stand, und dieser Stand sollte dokumentiert sein – zu deinem eigenen Schutz.
- Kontostände aller Konten, mit Datum, ausgedruckt.
- Barkasse zählen – gemeinsam mit deinem Vorgänger, wenn es geht. Zu zweit, mit Protokoll.
- Offene Forderungen: Wer schuldet dem Verein noch Beiträge?
- Offene Verbindlichkeiten: Was schuldet der Verein?
- Laufende Verträge: Versicherungen, Software, Miete, Strom, GEMA.
Ein unterschriebenes Übergabeprotokoll ist keine Misstrauensbekundung. Es ist die Grundlage dafür, dass dir später niemand etwas anhängt, was vor deiner Zeit passiert ist.
Schritt 4: Finde heraus, wann der Beitragslauf kommt
Das ist die Frage, die über deine nächsten Monate entscheidet.
Die meisten Vereine ziehen die Beiträge im Januar ein. Wenn du im Frühjahr gewählt wurdest, hast du Zeit. Wenn du im Herbst gewählt wurdest: Du hast keine.
Kläre:
- Wann wird eingezogen? Jährlich, halbjährlich, quartalsweise?
- Liegen SEPA-Mandate von allen Mitgliedern vor?
- Habt ihr eine Gläubiger-Identifikationsnummer? (Bekommst du kostenlos bei der Bundesbank.)
- Wie wird die SEPA-Datei erzeugt – und von wem?
Achtung, oft übersehen: Ein SEPA-Mandat verfällt nach 36 Monaten ohne Nutzung. Wenn ein Mitglied drei Jahre lang nichts gezahlt hat, ist sein Mandat tot.
Schritt 5: Bring die Mitgliederliste in Ordnung
Die Mitgliederliste ist die Grundlage für alles: Beiträge, Bestandsmeldung, Stimmrecht, Mahnungen. Wenn sie falsch ist, ist alles falsch.
Häufigste Probleme, die du finden wirst:
- Doppelte Mitglieder – einmal mit „ß”, einmal mit „ss”
- Ausgetretene, die noch drinstehen – seit 2011
- Fehlende Austrittsdaten, sodass unklar ist, ob jemand zahlen muss
- Familien, die als Einzelmitglieder geführt werden – und den Familienrabatt trotzdem bekommen
Nimm dir dafür einen Nachmittag. Er wird sich mehrfach auszahlen.
Schritt 6: Prüfe die Löschfristen
Ein ausgetretenes Mitglied von 2009, dessen Adresse und Bankverbindung noch in eurer Liste stehen, ist ein Datenschutzverstoß – und du bist ab jetzt dafür verantwortlich.
Die grobe Faustregel:
- Kontaktdaten: nach ca. 3 Jahren löschen
- Kommunikationsdaten: nach ca. 6 Jahren
- Beiträge und Buchungen: bleiben für die steuerlichen Aufbewahrungsfristen (bis zu 10 Jahre) erhalten – aber der Personenbezug kann entfallen
Das Letzte ist der Trick: Man muss die Buchhaltung nicht zerstören, um den Datenschutz einzuhalten. Man anonymisiert die Person und behält die Zahlen.
Schritt 7: Entscheide, ob du so weitermachen willst
Und jetzt die ehrliche Frage.
Wenn du eine Excel-Datei geerbt hast, wirst du in drei Jahren dasselbe an deinen Nachfolger übergeben. Wenn du einen alten PC geerbt hast, wirst du dieselben Passwortprobleme weitergeben.
Der Amtswechsel ist der einzige Moment, in dem ein Wechsel der Software wirklich einfach ist. Danach fügt man sich in das Vorhandene und macht es zehn Jahre lang wie der Vorgänger.
Woran du merkst, dass es Zeit ist:
- Der Beitragslauf kostet dich mehr als einen Abend.
- Du weißt nicht sicher, wer offene Beiträge hat.
- Die Buchhaltung existiert nur in deinem Kopf.
- Bei jedem Kassenprüfbericht wird dir mulmig.
- Du willst nicht der sein, der beim nächsten Wechsel einen Karton übergibt.
Die Kurzfassung
| Wann | Was |
|---|---|
| Woche 1 | Bankvollmacht, Zugänge, Vereinsregister-Anmeldung |
| Woche 2 | Kassensturz mit Protokoll |
| Woche 3 | Beitragslauf klären, SEPA-Mandate prüfen |
| Woche 4 | Mitgliederliste bereinigen, Löschfristen prüfen |
| Danach | Entscheiden, ob das System bleibt – oder du es besser machst |
Geschrieben von René Pannier
Gründer von ClubCoPilot. Baut die Software, über die er schreibt.
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