Zum Inhalt springen
Ratgeber
Finanzen6 Min. Lesezeit

Erstellt am Zuletzt aktualisiert am

Übungsleiterpauschale 2026: 3.300 € und die Falle

Die Übungsleiterpauschale steigt 2026 auf 3.300 €, die Ehrenamtspauschale auf 960 €. Was das für Ihren Verein bedeutet, und warum er für die Lohnsteuer haften kann.

Geschrieben für: Kassenwart, Vorstand

Zum 1. Januar 2026 hat das Steueränderungsgesetz 2025 die beiden wichtigsten Freibeträge des Ehrenamts angehoben. Rechnet Ihr Verein noch mit den alten Zahlen, rechnet er falsch.

Die neuen Beträge auf einen Blick

bis 2025 ab 2026
Übungsleiterpauschale (§ 3 Nr. 26 EStG) 3.000 € 3.300 €
Ehrenamtspauschale (§ 3 Nr. 26a EStG) 840 € 960 €
Minijob-Grenze 556 €/Monat 603 €/Monat

Die Änderung ist in der Praxis relevant, denn viele Ratgeber im Netz stehen noch auf dem Stand von 2025.

Wer bekommt die Übungsleiterpauschale?

Die 3.300 € gelten für nebenberufliche Tätigkeiten mit pädagogischem Bezug:

  • Übungsleiter, Trainer, Ausbilder, Betreuer
  • Erzieherische, künstlerische oder pflegerische Tätigkeiten
  • Die Tätigkeit muss für eine gemeinnützige Organisation erfolgen
  • „Nebenberuflich” heißt: nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeitberufs

Die 960 € der Ehrenamtspauschale gelten für alle übrigen Tätigkeiten: Kassenwart, Platzwart, Schriftführer, Vorstand. Was davon steuerfrei bleibt, rechnet der Übungsleiterpauschale-Rechner bzw. der Ehrenamtspauschale-Rechner aus; die Einzelheiten zur Ehrenamtspauschale stehen im eigenen Ratgeber.

Die Falle: Der Freibetrag gehört der Person, nicht dem Verein

Hier wird es teuer.

Der Freibetrag ist personenbezogen, nicht vereinsbezogen.

Ein Trainer, der bei zwei Vereinen arbeitet, kann die 3.300 € nur einmal ausschöpfen. Beide Vereine zahlen aber gutgläubig steuerfrei aus, und keiner weiß vom anderen.

Dann überschreitet die Summe den Freibetrag, der übersteigende Teil ist lohnsteuerpflichtig, und der Verein haftet für die nicht abgeführte Lohnsteuer.

Was Sie dagegen tun sollten

Lassen Sie sich von jedem Übungsleiter eine schriftliche Selbsterklärung geben:

„Ich versichere, dass ich den Freibetrag nach § 3 Nr. 26 EStG im laufenden Kalenderjahr nicht bereits anderweitig ausgeschöpft habe oder ausschöpfen werde. Änderungen teile ich dem Verein unverzüglich mit.”

Die Erklärung ist der Nachweis, dass der Verein seine Sorgfaltspflicht erfüllt hat.

Die zweite Falle: Ehrenamtspauschale für den Vorstand

Zahlt der Verein seinem Vorstand die Ehrenamtspauschale, braucht er dafür eine Grundlage in der Satzung.

Eine Regelung in der Beitrags- oder Geschäftsordnung genügt nicht. Fehlt die Satzungsgrundlage, ist die Zahlung eine verdeckte Gewinnausschüttung, und die kann den Verein die Gemeinnützigkeit kosten. Ob bei Ihnen noch andere Risikofelder offen sind, zeigt der Gemeinnützigkeits-Check.

Es ist einer der häufigsten Gründe, warum Vereine bei einer Betriebsprüfung Ärger bekommen.

Kombinieren: möglich, aber nur richtig

Beide Pauschalen lassen sich kombinieren, jedoch nur für unterschiedliche Tätigkeiten und getrennt ausgezahlt.

Erlaubt: Sabine trainiert die F-Jugend (Übungsleiterpauschale) und führt die Kasse (Ehrenamtspauschale).

Nicht erlaubt: beides in einem Betrag für dieselbe Tätigkeit auszuzahlen.

Und dann ist da noch der Minijob

Übungsleiterpauschale und Minijob schließen sich nicht aus. Rechnerisch:

  • 275 €/Monat steuerfrei über die Übungsleiterpauschale (3.300 ÷ 12)
  • plus 603 €/Monat als Minijob
  • = 878 €/Monat, davon ein großer Teil abgabenfrei

Zwei Dinge werden dabei häufig vergessen:

  1. Die Anmeldung bei der Minijob-Zentrale muss binnen sechs Wochen erfolgen.
  2. Auch die Anmeldung bei der VBG (gesetzliche Unfallversicherung) ist nötig und wird routinemäßig übersehen.

Und die Zeiterfassung nicht vergessen

Für jeden Minijobber gilt § 17 Mindestlohngesetz: Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit müssen binnen sieben Kalendertagen aufgezeichnet und zwei Jahre aufbewahrt werden.

Das Bußgeld bei Verstoß beträgt bis zu 30.000 €.

Bei einem Trainer ist das einfach: Die Trainingseinheit ist die Arbeitszeit. Wer seinen Trainingsplan ohnehin digital führt, hat die Daten bereits.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Prüfen Sie Ihre Zahlen: Rechnet der Verein noch mit 3.000 € und 840 €?
  2. Holen Sie die Selbsterklärungen ein, von jedem Übungsleiter, jedes Jahr.
  3. Schauen Sie in die Satzung: Steht dort, dass der Vorstand eine Vergütung erhalten darf?
  4. Prüfen Sie die Anmeldungen: Minijob-Zentrale und VBG.
  5. Führen Sie die Arbeitszeiten Ihrer Minijobber, nachweisbar.

Quellen

Stand der Rechtslage: 10. Oktober 2026. Dieser Beitrag beschreibt die Rechtslage nach bestem Wissen, ersetzt aber keine Steuer- oder Rechtsberatung. Im Einzelfall wenden Sie sich an eine Steuerberatung oder das zuständige Finanzamt.

René Pannier

Schiedsrichter seit 2010, Referent für Schulfußball im Jugendausschuss des Berliner Fußball-Verbands. Ich entwickle ClubCoPilot.

Der Freibetrag gehört der Person, nicht Ihrem Verein

Übungsleiterpauschale, Ehrenamtspauschale, Minijob. Drei einfache Regeln, und drei Fallen, in die Vereine zuverlässig laufen. Bei einer davon haftet der Verein für die Lohnsteuer.

Ansehen

Bereit für entspannte Vereinsverwaltung?

Ab 3,00 € im Monat, in zehn Minuten eingerichtet, die Kernfunktionen sind im Grundpreis enthalten.

Monatlich kündbar · Import-Assistent für Excel/CSV inklusive · Server in Deutschland

DemoJetzt starten ab 3 €/Monat